Indien in Zahlen

Warum Indien für Europa wirtschaftlich und strategisch immer wichtiger wird

Wer über Indien spricht, braucht zuerst den richtigen Maßstab.

Seit April 2023 ist Indien das bevölkerungsreichste Land der Welt. 1,44 Milliarden Menschen - fast 17 Prozent der gesamten Weltbevölkerung. China liegt erstmals seit Jahrzehnten dahinter.


Die jüngste Arbeitsbevölkerung der Welt

Das Medianalter in Indien liegt bei 28 Jahren. In Deutschland sind es 46, in Japan 49. Zwei Drittel der Inder sind jünger als 35. Indien hat damit den größten Pool junger Erwerbstätiger der Welt und dieser Pool wächst weiter an.

Jedes Jahr beenden rund 1,5 Millionen Studierende ein Ingenieurstudium in Indien. Deutschland kommt im gleichen Zeitraum auf etwa 90.000. Diese Relation erklärt, warum globale Technologieunternehmen seit den 1990er-Jahren systematisch nach Indien schauen.

Qualität schwankt dabei erheblich. Die indischen IITs - Indian Institutes of Technology - stehen international in einer Reihe mit den führenden technischen Universitäten der Welt. Daneben gibt es Tausende Regionalhochschulen mit sehr unterschiedlichem Niveau. Wer in Indien rekrutiert, sollte diesen Unterschied kennen.


Fünftgrößte Volkswirtschaft

Indiens BIP überholte 2022 das britische. Seitdem zählt Indien zu den fünf größten Volkswirtschaften der Welt. Das jährliche Wachstum liegt konstant über sechs Prozent. Deutschland wächst im gleichen Zeitraum kaum.

Der IWF erwartet, dass Indien bis 2030 auf Platz drei vorrückt - vor Japan und Deutschland.

Dieser Aufstieg kam weit gehend durch Software und Dienstleistungen.


Bengaluru als Maßstab

Bengaluru steht stellvertretend für diesen Wandel. Der indische IT-Sektor erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2024 rund 254 Milliarden US-Dollar. Er beschäftigt direkt über fünf Millionen Menschen. Bengaluru allein beherbergt die Entwicklungszentren von Google, Microsoft, SAP, Bosch und Siemens.

Wer 2005 nach Bengaluru kam, sah noch Felder am Stadtrand. Heute stehen dort Bürokomplexe, wie man sie aus Frankfurt oder München kennt.


Was 2030 bedeutet

Zwei Trends laufen gerade parallel:

Indiens Mittelstand wächst. Schätzungen gehen davon aus, dass bis 2030 mehr als 500 Millionen Inder zur Mittelschicht zählen werden. Das entspricht dem Sechsfachen der deutschen Bevölkerung als Konsummarkt.

Europa altert gleichzeitig. Deutschland verliert qualifizierte Fachkräfte schneller, als der Bildungsmarkt Nachwuchs hervor bringt. Diese Lücke wächst.

Beide Entwicklungen zeigen in dieselbe Richtung. Indien gewinnt für Europa wirtschaftlich und strategisch weiter an Bedeutung. Wer heute langfristig plant, ohne Indien einzukalkulieren, plant mit einem blinden Fleck.


KennzahlIndienDeutschland
Bevölkerung1,44 Mrd.84 Mio.
Medianalter28 Jahre46 Jahre
BIP-Rang (2024)Platz 5Platz 3
BIP-Wachstum p. a.~ 7 %~ 0 %
Ingenieurabsolventen / Jahr1,5 Mio.~ 90.000
IT-Sektor-Umsatz (FY 2024)254 Mrd. USD

Quellen: UN, IWF, NASSCOM, Destatis - Stand 2024

Über den Autor

Jörg Strothmann Als CTO mit über 30 Jahren Berufserfahrung in der Hard- und Softwareentwicklung an verteilten Standorten (Europa und Indien) habe ich viele Erfahrungen gesammelt. Diese möchte ich gerne weitergeben.

Jörg Strothmann